Mogel(ver)packungen

Dieser Beitrag wurde vor am Freitag, 4. März 2011 um 12:39 Uhr veröffentlicht und unter Jackomo - Der Kritiker gespeichert.

Die Konzerne der Lebensmittelindustrie sind einfallsreich. Sie versuchen mit allen legalen Mitteln, den Verbraucher aufs Glatteis zu führen. Um den Kunden zum Kauf zu animieren, werden aus Baumrinde gewonnene Chemikalien als natürliches Aroma bezeichnet und wo in rauen Mengen Hefeextrakt verarbeitet wurde, prangt  die Aufschrift „ohne Geschmacksverstärker“ auf der Verpackung. All diese Tricks sollen den Gewinn der Hersteller steigern. Preiserhöhungen, die vom Verbraucher unbemerkt bleiben, gehören ebenfalls zum Repertoire der Lebensmittelkonzerne.

Die meisten Menschen sind Gewohnheitstiere. Sie tun zu bestimmten Tageszeiten immer die gleichen Dinge, fahren immer den gleichen Weg zur Arbeit und Kaufen immer die gleichen Produkte in den gleichen Geschäften. Dieses Verhalten macht die Organisation des Alltags erheblich einfacher. Man muss sich nicht in jeder Situation neu orientieren, sondern spielt einfach das alltägliche Programm ab. Das bedeutet aber auch, dass selbst kleinste Veränderungen, zum Beispiel eine Preissteigerung um nur wenige Cent, von den Kunden sofort bemerkt werden. Doch Preiserhöhungen mag der Kunde überhaupt nicht. Preiserhöhungen  werfen einen hässlichen Schatten auf das so sorgsam aufgebaute Image der Konzerne als selbstlose und familienfreundliche Ernährer der Bevölkerung.

Das wissen auch die Experten in den Marketingabteilungen der Lebensmittelindustrie. Also wird einmal mehr die Trickkiste gegriffen und es kommen die Lieblingsinstrumente Täuschung und Verschleierung wieder einmal zum Einsatz. Anstatt den ausgewiesenen Preis zu erhöhen, wird einfach die Füllmenge reduziert. Das Design der Verpackung wird dabei der neuen Füllmenge so angepasst, dass der Verbraucher den Unterschied nicht wahrnimmt. Erhöht der Hersteller nach der Reduzierung der Füllmenge den Verkaufspreis um wenige Cent, potenziert sich der Gewinn bei minimalem Imageverlust. So hat beispielsweise ein Hersteller von Stapel-Kartoffelchips sein Produkt von 2006 bis 2010 um 51 % verteuert. Diese massive Preiserhöhung haben die meisten Kunden vermutlich gar nicht bemerkt.

Eine andere Variante der versteckten Preiserhöhung ist folgende: Die Füllmenge wird erhöht. Darauf wird auf dem Produkt natürlich deutlich hingewiesen. Gleichzeitig wird aber der Preis überproportional angezogen. Für mehr Ware mehr zu zahlen, empfinden die meisten Leute nur als logisch. Da der Wechsel in den Regalen der Supermärkte abrupt vollzogen wird, hat der Verbraucher aber keine direkte Vergleichsmöglichkeit. Die Preiserhöhung bleibt daher unbemerkt.

Die Konsumenten kennen zwar die Preise der verpackten Produkte, doch niemand achtet auf die winzig an den Regalen ausgewiesenen Preise je Mengeneinheit. Das wird am Beispiel eines Süßwareherstellers aus Bonn sehr deutlich. In vielen Supermärkten stehen dieselben Produkte in Packungen von 200 Gramm in Tüten und große Dosen von 1000 Gramm genau nebeneinander. Am Preis je Mengeneinheit kann jeder leicht ablesen, dass die große Dose im Verhältnis zur Tüte teurer ist. Das fällt aber offensichtlich niemandem auf. Der Grundsatz, dass es günstiger ist, größere Mengen zu kaufen, scheint beim Verbraucher fest verankert zu sein. Das Beispiel zeigt jedoch, dass es sich durchaus lohnt, hier zu vergleichen.

Weniger ist mehr! In Zusammenhang  mit den Mogelpackungen der Konzerne wirkt diese alte Volksweisheit schon wie ein Hohn. Wer eine allzu unverschämte versteckte Preiserhöhung bemerkt, sollte, wenn möglich, auf ein Konkurrenzprodukt ausweichen und seinen Ärger über den Preisanstieg ruhig einmal per E-Mail direkt beim Hersteller kundtun. Denn eines sollte der Konsument stets bedenken: das Überleben der auch noch so mächtigen Lebensmittelkonzerne hängt ausschließlich von den Kaufentscheidungen der Verbraucher ab.

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2 Kommentare zu „Mogel(ver)packungen“

  1. Sonja sagt:

    Versteckte Preiserhöhungen sind das eine. Eine andere Mogelpackung sind Verpackungen, die viel größer sind als nötig. Der Kunde denkt dann, er bekommt viel mehr, dabei ist die Flasche oder Dose nur zu zwei Drittel gefüllt.

  2. Anonymous sagt:

    Da kann man sich wohl kaum gegen wehren. Ich zumindest kaufe ein Produkt, weil ich genau dieses haben möchte. Wenn der Hersteller die Preise erhöht, muss ich das wohl oder über hinnehmen.

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