Es ist mal wieder soweit. Nachdem erst vor einigen Monaten wegen Dioxin die Eier von den Einkaufslisten gestrichen wurden, werden jetzt Tomaten, Gurken und Salate verschmäht. Schuld daran sind enterohämorrhagische Escherichia-coli-Bakterien, kurz EHEC. Dieser kleine, aber gemeine Keim löst schwere Bauchkrämpfe und Durchfall aus und kann sogar zu lebensbedrohlichen Nierenversagen führen.
EHEC-Keime sind eine Variante des Darmbakteriums Escherichia coli. Der natürliche Lebensraum von EHEC-Erregern ist der Darm von Wiederkäuern, also Rindern, Schafen und Ziegen. Der für die schweren Krankheitsfälle verantwortliche Keim ist der E. coli Typ O104. Eine Infektion findet über den Kontakt mit Tierkot, über kontaminierte Lebensmittel oder auch von Mensch zu Mensch statt. Eine Infektion mit Typ 0104 führt zu blutigen Durchfällen, Erbrechen und Bauchschmerzen. In besonders schweren Fällen kann der EHEC-Erreger das hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) auslösen, das zu einer schweren Nierenschädigung und sogar bis zum Tod führen kann. Die ersten Symptome nach einer Infektion treten in der Regel nach drei bis vier Tagen auf.
Um welchen Erreger es sich handelt, ist inzwischen klar. Auch ist klar, dass Kontaminationen an einigen Gurken nachgewiesen wurden. Allgemein wird von dem Verzehr von Rohkost abgeraten. Die große Frage, wie die Lebensmittel mit dem gefährlichen Bakterium verunreinigt werden konnten, ist allerdings noch ungeklärt. Eine naheliegende Vermutung ist, dass die Keime über das Ausbringen von Gülle auf die Lebensmittel übergegangen sein könnten. In korrekt arbeitenden Betrieben wird Gemüse während der Wachstumsphase aber niemals mit Gülle gedüngt. Möglicherweise hat die Profitgier einige Landwirte dazu bewegt, die enormen Mengen an Gülle, die in der Vieh- und Milchwirtschaft anfallen, auf den Feldern zu verklappen.
Laut Focus Online könnte auch verseuchtes Wasser als Quelle des EHEC-Erregers in Frage kommen. Eine Feldarbeiterin berichtete, dass auf Plantagen in der Nähe der südspanischen Stadt Murcia Abwasser zur Bewässerung von Obst, Tomaten, Gurken und Auberginen verwendet werde. Welche Ursache auch immer den Verunreinigungen zu Grunde liegen mag, eines ist sicher: es handelt sich nicht um ein Versehen. Irgendwo wurde vorsätzlich gegen Hygienekonventionen verstoßen, um sich einen Preisvorteil zu verschaffen.
Menschen, die an EHEC erkranken, sind kein Novum. Das Robert Koch-Institut registriert jährlich rund 1000 EHEC-Erkrankungen und 60 HUS-Fälle. In modernen Schlachthöfen, wo Tiere im Akkord getötet und zerlegt werden, kommt es immer wieder zu Kontaminationen des Fleisches mit dem EHEC-Erreger. Wenn beim Zerlegen der Magen-Darm-Trakt eines Tieres versehentlich geöffnet wird und sich der Inhalt über das Fleisch ergießt. Dieses Risiko wird von der Fleischindustrie billigend in Kauf genommen. Würde man das Tempo in den Schlachthäusern zu Gunsten der Sorgfalt ein wenig drosseln, ließen sich wohl solche Kontaminierungen Vermeiden. Der amerikanische Film „Fast Food Nation“ befasst sich genau mit diesem Thema.
Lebensmittelskandale sind in dem globalen System industrialisierter Massenproduktion offenbar nicht zu vermeiden. Die Discounter liefern sich beim Krieg um Marktanteile eine Preisschlacht, die die Erzeuger dazu zwingt, immer mehr zu immer niedrigeren Stückkosten zu produzieren. Dem Verbraucher wird suggeriert, dass er sein Geld für die schönen Dinge des Lebens ausgeben soll und nicht für etwas so lästiges wie Lebensmittel. Wer aber mit Nierenversagen auf der Intensivstation liegt, findet Geiz vermutlich doch nicht mehr so geil.
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Tags: EHEC, Gesundheit, Hygiene

Das Thema wird uns wohl noch eine Weile Beschäftigen, vor allem wo die spanischen Gurken jetzt freigesprochen wurden, fängt die Suche nach der Quelle wohl wieder von vorne an.