(Irr)Wege zum Idealgewicht

Dieser Beitrag wurde vor am Donnerstag, 16. Juni 2011 um 13:58 Uhr veröffentlicht und unter Jackomo - Der Kritiker gespeichert.

Es soll wohl eine neue Wunderwaffe gegen krankhaftes Übergewicht sein. Ein sogenannter Magenschrittmacher wird seit einigen Wochen als Hilfe zum Abnehmen angeboten. Dabei handelt es sich um einen kleinen Computer von der Größe einer Kreditkarte, der operativ an der  Magenwand angebracht wird. Dieser kleine „Big Brother“ soll dann präzise Informationen über das Ess- und Bewegungsverhalten des Patienten aufzeichnen. Durch elektrische Impulse soll das Gerät sogar ein künstliches Sättigungsgefühl auslösen können.

Mit der Volkskrankheit Übergewicht lässt sich offensichtlich eine Menge Geld verdienen. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass so ziemlich jede Illustrierte jede Woche mit einer neuen Wunderdiät auf der Titelseite wirbt. Diese tollen Superdiäten in den einschlägigen Blättern tischen den Lesern immer dieselben Lügen auf: signifikante Gewichtsreduktion innerhalb kürzester Zeit, keinerlei lästige Bewegung nötig und immer richtig lecker essen so viel man will. Natürlich nur die Produkte, die in der jeweiligen Diät  als Wunderwaffe gegen die Pfunde angepriesen werden. In den bunten Zeitschriften wird nicht erwähnt, dass nur eine dauerhaft bewusste Ernährung in Kombination mit regelmäßiger Bewegung der Schlüssel für nachhaltiges Abnehmen ist. Natürlich lässt man die Leser darüber lieber im Dunkeln, denn sonst würde ja einer der wichtigsten Aufmacher verloren gehen.

Es sind auch unzählige Präparate auf dem Markt, die dem Käufer das Idealgewicht ohne jegliche Ernährungsumstellung und körperliche Anstrengung versprechen. Besonders intensiv wird eine Pille beworben, die bewirkt, dass das Fett aus der Nahrung unverdaut wieder ausgeschieden wird. Was die Werbung nicht verrät ist der äußerst unangenehme und extrem flüssige Durchfall, der als Nebenwirkung auftritt. Da können die Nahrungsfette schnell mal unverdaut durch den Körper hinein in die Hose geschleust werden. Zudem macht diese Pille keinen Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Mangelerscheinungen sind die Folge. Daneben gibt es noch etliche Appetitzügler oder Mittelchen, mit deren Hilfe man einfach „ein paar Liter“ abnehmen kann. Dehydrierung zur Gewichtsreduktion? Tolle Idee!

Schon beinahe in den Bereich der Scharlatanerie muss man wohl die elektrischen Hilfsgeräte zum Abnehmen einordnen. Meistens werden „Bauch-weg-Gürtel“ und Co auf Teleshopping-Kanälen oder ähnlichen Plattformen feilgeboten. Die Sehnsucht der Leute nach einem Weg zum Idealgewicht, ohne die Lebensgewohnheiten ändern zu müssen, ist anscheinend so groß, dass selbst diese Produkte Käufer finden.

Und nun gibt es also auch noch den Magenschrittmacher. Diese Methode ist zwar weit weniger invasiv als beispielsweise ein Magenband, aber ob es jetzt der große Wurf zur Bekämpfung der Volkskrankheit Übergewicht sein wird, wage ich zu bezweifeln. Nicht nur, weil die Kosten derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Wer ernsthaft abnehmen möchte, ist nicht auf einen Überwachungschip angewiesen. Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, den Lebensstil dauerhaft zu verändern. Bewusste Ernährung und regelmäßiger Sport müssen ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags werden. Das erfordert zwar gerade in der Anfangsphase eine gewisse Disziplin, es ist aber der einzige Weg, der zum Erfolg führt.

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